Brasilien!! Noch ein Ziel erreicht: Die A-Lizenz!

  Links: Pele, Inhaber einer Beachvolleyball-Schule in Ipanema, Rio; zweite und vierte von links: die chinesischen Nationalspielerinnen Beachvolleyball
   

Nach vielen Jahren als Spieler, arbeitet Camilo heute als Trainer unterschiedlicher Sportarten. Die große Neuigkeit ist hier die Ausbildung zum Nationaltrainer, die Camilo im April 2005 in Brasilien abgeschlossen hat, und von der er nun einige Details erzählen wird:

„Alles begann damit, dass ich einen Schein machen wollte, um hier die Bundesliga trainieren zu dürfen. Diesen Traum hatte ich bereits seit zwei Jahren. Dennoch habe ich nie aufgehört eine Möglichkeit zu suchen, eine Ausbildung, ein Praktikum und eine Prüfung im Land des Volleyballs machen zu können. Brasilien ist heutzutage im Volleyball weltweit am stärksten. Das gilt sowohl für Hallenvolleyball als auch für Beachvolleyball: In beiden Disziplinen haben die brasilianischen (Männer-)Teams in der letzten Olympiade die Goldmedaille geholt. Und aus diesem Grund habe ich den Kontakt zum brasilianischen Volleyball-Verband in Rio de Janeiro aufgenommen. Ich wurde an einen gewissen Professor Célio Cordeiro verwiesen, der in Brasilien der “Vater der Trainer” genannt wird.

   
  Die brasilianische U21 spielt gegen Tande und Franco.
   

Warum die Ausbildung in Brasilien machen?
Letztes Jahr habe ich den Trainerschein C hier in Deutschland gemacht. Dabei habe ich viel gelernt. Dennoch wollte ich schon immer eine Ausbildung in Brasilien machen und zwar aus zwei Gründen: Erstens würde ich dort die Ausbildung in meiner Muttersprache absolvieren können, und zweitens ist Brasilien momentan weltweit das stärkste Land im Volleyball.

Welchem Niveau entspricht der Kurs?
Mit der Ausbildung und der Prüfung, die ich gemacht habe, kann ich nun in Brasilien als Trainer der brasilianischen Super Liga arbeiten, die die stärkste und beste Liga dort ist. Dies entspricht also dem A-Trainerschein in Deutschland.

   
  links: Alexandre Ramos Samuel (Spitzname: Tande) aus Resende (Rio de Janeiro), 3 x Meister Open Banco do Brasil (1998/2001/2004), 1 x WM 2001, Vizemeister WM 2004, King of the Beach 1999, Gold Medaille Olympiade Barcelona 1992;
Rechts: Franco Jose Vieira Neto aus Fortaleza (Ceara), 3 x Meister Open Banco do Brasil 1993/1999/2004, 2 x WM (1993/1995), Vizemeister WM " King of The Beach " Copacabana Rio de Janeiro 2000/2002
   

Wie waren Kurs und Prüfung?
Sehr gut. Ich habe in den zehn Kurstagen sehr viel dazu gelernt, und ich habe viele qualifizierte Personen kennen gelernt. Die Ausbildung hat in der staatlichen Universität von Estácio deSá in Rio de Janeiro stattgefunden, mit ausgezeichneten Professoren, wie beispielsweise Professor Célio Cordeiro, der auf die sportliche Taktik und Strategie spezialisiert ist. Und Professorin Marcia Albergaria, deren Fachgebiet unter anderem die Physiologie ist.

Was waren die Inhalte der Ausbildung?
Spieltaktiken, Spielstrategien, Trainingsmethoden, Sportpsychologie, Technikbewertung, Physiologie, Biomechanik etc.

Wie war der Unterricht?
Meiner Meinung nach optimal. Wir hatten die Möglichkeit, Videos anzuschauen und mit Profi-Trainern –Spielern zu sprechen, was uns half, Antworten auf zahlreiche Fragen zu bekommen und Zweifel zu beseitigen. Die Stunden fanden in der Universität und im Club „Tijuca“ statt, wo Rexona-Ades trainiert, die brasilianischen Vize-Meister 2005.

   
  Tande und Franco mit ihrem Team
   

Wie waren die Prüfungen?
Für mich persönlich waren die Prüfungen sehr schwierig. Ich habe eine Hausarbeit geschrieben über ein Team, das an den Südamerikanischen Volleyball-Meisterschaften teilnimmt. Ich musste unter gegebenen Voraussetzungen und die Mannschaft vorstellen und aufzeigen, wie ich diese trainieren und wie ich sie spielen lassen würde. Die Hausarbeit hatte 18 Seiten und war anschließend Teil meiner mündlichen Prüfung, in der ich 8,5 Punkte von maximal 10 möglichen erhielt. In der schriftlichen Prüfung musste ich 50 offene und 15 Fachfragen beantworten. Hier bekam ich 7,0 Punkte.

Und wie war schließlich das Endergebnis?
Ich habe mit guten Noten bestanden, und damit bin ich sehr zufrieden. Während der 10 Kurstage habe ich nicht wirklich schlafen können. Ich war wirklich sehr aufgeregt und angespannt. Ich hatte Angst, die Prüfung nicht zu bestehen und dann auch noch umsonst nach Brasilien gereist zu sein. Aber ich habe es ja geschafft. Ich werde nun mein Zertifikat übersetzen lassen, damit es hier anerkannt werden kann und ich auch in Deutschland den A-Trainerschein erhalte.

  Tande in einer Verschnauf-Pause
   

Was sind deine weiteren Ziele?
Während der Ausbildung in Hallenvolleyball habe ich neue Methoden und Taktiken gelernt und werde diese natürlich auch auf mein Beachvolleyball-Training übertragen. Ab Mai werde ich mich wieder voll auf das Beach-Training konzentrieren. Für meinen weiteren Einsatz als Hallentrainer habe ich momentan noch keine Pläne.

Wo unterscheidet sich brasilianisches von deutschem Volleyball?
Es ist schwierig, die Unterschiede direkt einzuschätzen. Auf jeden Fall ist Volleyball in Brasilien ein sehr lukratives Geschäft geworden. Nach Öl ist Sport in Brasilien die Branche, die am meisten Geld bringt. Und Volleyball ist eine der stärksten Sportarten in Brasilien, bei Frauen und bei Männern. Volleyball in Brasilien schafft Arbeitsplätze und weckt das Interesse von Sponsoren. Das Fernsehen ist einer der stärksten Partner des Sportes. Wobei früher die Sender noch Geld erhalten haben, um die Spiele zu übertragen. Heute zahlt das Fernsehen für die Übertragungsrechte. In Deutschland hat Volleyball genauso viel Potenzial wie in Brasilien, aber hier ist die Begeisterung dafür einfach nicht so verbreitet.

Was hat dir auf deiner Reise noch gefallen?
Ich hatte die Gelegenheit, Freunde wieder zu sehen, Informationen mit Profis aus der Branche auszutauschen, und einfach das Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Ich habe die Spieler vieler verschiedener Nationen getroffen, die in Brasilien trainiert haben. Es ist toll zu wissen, wie viele Leute mein Heimatland mögen. Und es ist auch wahnsinnig spannend, mit Profi-Sportlern aus China, der Schweiz, aus Norwegen, Deutschland und anderen Ländern sprechen und spielen zu können. Schließlich bekommt nicht jeder diese Chance.“


Camilo, April 2005